Sie hätte eigentlich auch “Handy” heißen können. Der Name würde nämlich gut zu ihr passen, und war, als sie in Mode kam, noch nicht besetzt. Damals hatten die Leute kein Mobiltelefon am Ohr, sondern nur furchtbar viele gefönte Haare und trugen Drahtbürsten mit sich herum – manche Männer im baumelnden Lederbeutel mit Reißverschluss. Wer sie lächerlich machen will, sagt “Deti-Täschchen”, und der Sindelfinger
Punkrockverein Wizo disst das Ding auf seiner EP “Herrénhandtasche” durch diesen absurden Akzent.
Sie ist ein Accessoire für Typen. die – aus welchen Gründen auch immer – ausgebeulte Jackett- oder Hosentaschen fürchten. Sie ist was für Pingel, und unter denen gibt es nur einen, der sie vielleicht tragen könnte: Beim Kleingepäckreisenden James Bond ginge sie so gerade – als Waffen-Börse. Momentan hat sich die Herrenhandtasche vornehm zurückgezogen, unter die Theken von Lederläden und in die Texte von Strafrechts-Examensklausuren (da wird sie von Unbefugten geleert). Aber anstatt Entwarnung zu geben. sollte man, weil jeder Mist recycelt wird, ernsthaft mit ihrer Rückkehr rechnen. Dann hat sie bestimmt sogar ein zierliches Extrafach fürs Handy. (Text: Annette Lehmann)
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